Honig

Jeder Honigjahrgang ist anders. Wetter, Blüte und Standort prägen Geschmack, Farbe und Konsistenz. Genau das macht echten Imkerhonig so spannend. Selbst innerhalb eines Jahres unterscheiden sich die Honige deutlich – je nach Tracht und Zeitpunkt der Ernte. Echte Kenner schätzen diese Vielfalt und freuen sich darüber, dass kein Glas dem anderen ganz gleicht.

Hier liegt ein großer Unterschied zum Supermarkt-Honig (oft „Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern“): Dort soll jedes Glas immer gleich schmecken – zuverlässig, aber auch ziemlich langweilig. Über den gesundheitlichen Wert solcher industriell verarbeiteter Honige möchte ich gar nicht erst sprechen.

Dass Honig – direkt nach Olivenöl – zu den weltweit am häufigsten verfälschten Lebensmitteln zählt, hat sich inzwischen wohl bei den meisten herumgesprochen. Ein weiterer guter Grund, bei einer Imkerei des Vertrauens zu kaufen.


Frühjahrsblüte

(Obstblüten und vieles andere)

Wenn die Natur im Frühjahr erwacht, beginnt auch für die Bienen die erste große Sammelzeit. Aus Obstblüten und vielen anderen Frühblühern entsteht ein feiner, heller Honig mit mildem Geschmack.
Er ist ideal zum Süßen von Tee oder fürs Frühstücksbrötchen. Frühjahrsblütenhonig wird in der Regel relativ schnell fest und bekommt dann eine angenehm streichzarte Konsistenz.


Rapsblüte

Zur Rapsblüte stehen die Felder in sattem Gelb – und die Bienen mittendrin. Aus dieser Tracht entsteht ein besonders heller, cremiger Honig mit mild-süßem Aroma.
Rapsblütenhonig wird sehr schnell fest und lässt sich wunderbar streichzart rühren – bei Kindern ist er deshalb oft der Lieblingshonig.


Sommerblüte

(Lindenblüte / Götterbaum)

Im Sommer herrscht Hochbetrieb an den Linden und am Götterbaum. Daraus entsteht ein aromatischer, meist etwas dunklerer Honig mit kräftigem, charaktervollem Geschmack.
Sommerblütenhonig passt hervorragend zu Joghurt, Müsli oder Käse. In Berlin gilt Lindenhonig als kleine Spezialität – viele Imker kommen extra dafür mit ihren Bienen in die Stadt. Ich habe es da etwas einfacher: Ich wohne in der Lindenstraße und habe die Bäume quasi vor der Haustür.
Sommerblütenhonig bleibt zunächst lange flüssig und beginnt erst nach etwa sechs Monaten zu kristallisieren. Dann wird er cremig gerührt.


Buschhonig

Buschhonig gibt es ausschließlich bei mir – und nur in begrenztem Umfang. Es ist ein echter „Tausend-Blüten-Honig“, bei dem die Bienen sich an der ganzen Vielfalt der Umgebung bedienen.
Seinen Namen hat er von seinem Standort: Ich ernte ihn von zwei ausgewählten Völkern in der Kleingartenanlage „Kaulsdorfer Busch e.V.“. Daher: Buschhonig.
Jede Ernte ist ein kleines Unikat, geprägt von dem, was in dieser Gegend gerade blüht.


Sonderhonige

Je nach Jahresverlauf und Trachtverhältnissen gibt es immer wieder besondere Honige, die nicht dauerhaft im Sortiment sind. Manchmal ist es ein Lindenhonig mit starkem Sonnenblumeneinschlag, der fruchtig-säuerlich schmeckt.
Ein anderes Mal entsteht ein Lindenhonig, in dem man im Abgang den liebevoll gepflegten Lavendel meiner Frau wiederentdecken kann. Oder eine Frühjahrsblüte mit Kastanienanteil, die dadurch recht herb und markant wird.

Diese Sonderhonige sind Momentaufnahmen eines bestimmten Jahres und Standorts – wenn sie ausverkauft sind, kommen sie in genau dieser Kombination so nicht wieder.

Wie lange ist Honig haltbar?

Früher stand auf den Honiggläsern kein Haltbarkeitsdatum. Richtig gelagert (kühl, trocken, dunkel) ist Honig sehr lange genießbar. Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf dem Glas ist eine Orientierung und eine Pflicht, die wir Imker, genauso wie Speisesalzabfüller und Nudelhersteller den kreativen Beamten bei der EU verdanken. In den Pyramiden der Pharaonen hat man Honig gefunden, der laut Untersuchung noch genießbar war. kein Wunder, dort war er ja auch kühl, trocken und dunkel gelagert.

Allerdings gibt es eine Einschränkung. Im Honig sind etliche Enzyme enthalten, die auch nach Ernte und Abfüllung weiter wirken. Die gesundheitliche Wirkung des Honig lässt mit der Zeit nach, essen kann man ihn trotzdem noch und er schmeckt auch noch lecker. Wir sprechen hier aber eher von Jahren als von Monaten.